Es gibt Entscheidungen die verdienen es das man sie zumindest begründet.
Eine davon ist die Entscheidung um diesen Ballonwettbewerb.
Daher dieser Versuch einige meiner Gedanke / Beweggründe in Schriftform zu bringen.

Ich persönlich halte diese Aktion für nicht besonders gut.

Die Gründe dafür sind:
– Es wird im Prinzip versucht über die Kinder an die Stimmen der Eltern zu kommen, das ist ein beliebte und auch durchaus erfolgreiche Idee aus der Werbung. Wahlkampf ist natürlich auch Werbung aber nach meiner Meinung müssen wir nicht alles machen was die anderen machen, wir kämpfen schließlich für einen neuen Politikstil. Eine Frage die wir unser immer wieder stellen müssen ist was wir wollen und was wir bereit sind dafür zu bezahlen. In diesem Falle, wollen wir kurzfristige Wählerstimmen über die Herzen der Eltern gewinnen, damit wir erst mal in den Bundestag oder nächstes Jahr Europaparlament/Rat kommen um dann dort Sachen zu ändern, oder sagen wir, uns ist es lieber auf diese Art des Wahlkampfes/Werbung zu verzichten und den Leuten unsere Anliegen zu erklären und sie damit vielleicht eher langfristig zu überzeugen. Gleichzeitig sind derartige Wahlkampf-Aktionen in meinen Augen für Leute die sich für solche Dinge interessieren sehr durchsichtig und können bei diesen auch das genaue Gegenteil erreichen, das könnte bedeuten das wir für kurzfristige Stimmen, einige langfristige Unterstützer verlieren, weil diese das Gefühl bekommen das wir auch nur noch auf jeden Fall in die Parlamente wollen und uns unsere Ideale (Mündiger Bürger / anderer Politikstil) dabei egal sind.
Es könnte daher sein das wir für ein kurzfristigen Erfolg, langfristige Unterstützer verlieren.
Das ist etwas was wir, jeder für sich und auch wir als Gemeinschaft/Partei, immer bedenken sollten und die jeweils daraus resultierende Entscheidung sollte man auch immer wieder neu bewerten und prüfen.

– Wir als Partei stehen für Datenschutz und möchten die Menschen darauf aufmerksam machen welche Probleme durch den zu freizügigen Umgang mit seinen Daten entstehen können. Diese Aktion ist für mich höchstens als abschreckendes Beispiel gut. Wir fordern Eltern und Kinder auf ihre persönlichen Daten (Adresse) auf eine Postkarte zu schreiben und diesen dann fliegen zu lassen, der Finder hat dann sowohl die Adresse als auch die Info das dort ein Kind lebt. Auch das ungefähre Alter hat man grob da solche Aktionen meistens Kinder im jüngeren Altersbereich ansprechen werden. Ein Datenanalyst kann wahrscheinlich sogar noch einiges mehr daraus lesen und mit ein paar Verknüpfungen ergibt sich ein schönes Daten-Bild. Klar das ist in diesem Falle etwas überspitzt aber das Prinzip ist dasselbe. Wir sagen den Leuten passt auf eure Daten auf und kämpft für einen besseren Datenschutz, gleichzeitig möchten wir das sie ihre Adresse und die Nebeninformation das sie ein Kind in einem entsprechenden Alter haben an einen Ballon befestigen und einfach losfliegen lassen. Das ist für mich eindeutig nicht das richtige Signal.

Abwägung

Es darf bei meiner Entscheidung aber nicht um meine Meinung zu dieser Aktion gehen oder zumindest darf diese Meinung nicht alleine stehen, es ist meine Aufgabe verwaltend für die Mitglieder des Kreisverbandes die Mittel desselben einzusetzen und zu versuchen die Ziele nach vorne zu bringen, dabei versuche ich gleichzeitig für mich erkennbaren Schaden für die Partei und unsere Ziele abzuwehren.
Dieser Spagat ist nicht immer einfach da sich bei einigen Sachen unsere Ideen, Ideale und Ziele selber im Wege stehen.

– Wir haben immer wieder gesagt das wir eine „Mitmachpartei“ sind, das bedeutet aber nicht das man alles machen kann. Wichtig ist es bei Ideen das man sie im Vorfeld möglichst mit allen Details mit den unterschiedlichsten Leuten beredet. Dabei sollte man immer versuchen gerade die Leute von einer Idee zu überzeugen die eher gegen diese sind und sich deren Kritik anhören und bedenken. Man bekommt dabei oft konstruktive Kritik, muss sich diese allerdings leider immer wieder aus vielen destruktiven Teilen heraussuchen, aber sie sind es meistens wert.
In diesem Fall hatte ich leider nicht das Gefühl das man dieses gemacht hat, man hat die Grundidee teilweise halbherzig nach außen getragen und die Details mussten durch häufiges nachfragen an die Oberfläche geholt werden. Das ist Schade da dadurch viele Chancen vertan wurden. (siehe die Ideen von Manon auf der Dortmunder Mailingliste)

– Nach einem Gespräch mit einem Anwalt bin ich zu dem Entschluss gekommen das ein rechtlicher Schaden für den Kreisverband wohl nicht eintreten kann.

– Die Abwägung ob diese Aktion in der Außenwirkung eher Positiv oder Negativ ist, fällt sehr schwer, man kann es in beiden Richtungen sehen. So oberflächlich wie die Lokalpresse allerdings häufig leider ist könnte es dort, falls es überhaupt wirklich bemerkt wird, positiv auffallen.

– Zu dem Thema wie die Aktion aufgenommen werden könnt hatte ich oben schon etwas geschrieben, daher stellt sich nur die Frage ob ich in diesem Falle meine Ansicht dazu höher einschätze und für wichtiger halte als die Ansicht der Personen die diese Aktion durchführen wollen. Nein, ich halte diese Entscheidung zwar für falsch, akzeptiere aber das man darüber auch anders denken kann und das diese Entscheidung auch so lauten kann wenn man die Fakten kennt aber die Prioritäten anders setzt.

– Bedingt dadurch das die Details erst sehr spät vorlagen konnte leider keine richtige Diskussion stattfinden und auch kein Meinungsbild bei einem Innenstadt-Stammtisch eingeholt werden, dadurch wurden vielleicht viele Möglichkeiten verbaut.

– Der Datenschutz ist unserer Partei wichtig daher muss auf jeden Fall gewährleistet sein das die Person die die Karten bekommt eine Datenschutzerklärung abgegeben und an einer entsprechenden Schulung teilgenommen hat.

– Menschen dabei zu unterstützen etwas für die Piratenpartei zu machen ist eines unserer Ziele als Vorstand.

 Entscheidung

Ich habe dem Antrag daher zugestimmt mit zwei Auflagen:
1. Der Empfänger der Postkarten hat eine gültige Datenschutzerklärung bei den Piraten abgegeben und an einer entsprechenden Schulung teilgenommen. Sollte das nicht der Fall sein so kann alternativ das Kreisbüro als Empfänger angegeben werden.
2. Mit dem Veranstalter der Kirmes wird im Vorfeld gesprochen und er genehmigt diese Aktion.

Wenn die Verantwortlichen der Aktion bis hier her gelesen haben möchte ich sie nochmal darum bitten sich ihre Idee nochmal zu überlegen und sie vielleicht lieber in eine Aktion umzuwandeln wie Manon sie auf der Dortmunder Mailingliste gepostet hat. Mit dieser hätten glaube ich viele Mitglieder des Kreisverbandes weniger Bauchschmerzen.

So oder so wünsche ich euch viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk

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